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Kinderakademie Heidelberg

10 Jahre Hector-Kinderakademie

Heidelberger Akademie zur Förderung von hochbegabten Grundschülern feierte Zehnjähriges

Wo Kinder Astronomie und Russisch lernen - Ehemalige als Überraschungsgäste

Bei der Feier des zehnjährigen Bestehens in der Aula der Alten PH präsentierten die Teilnehmer der Kinderakademie ihre Roboter und Solarautos. Foto: Philipp Rothe

Von Daniela Biehl

Heidelberg. Auch schlaue Kinder können ein Problem sein. Gerade dann, wenn sie sich unterfordert fühlen, weil sie doch noch so viel mehr lernen wollen. "Ein hochbegabtes Kind bedeutet für Eltern oft sehr viel Stress", sagt Detlef Böhme, Gründer der Heidelberger Kinderakademie. Er hob sie einst aus der Taufe, um Grundschulkinder mit besonderer Begabung auch außerhalb des Unterrichts gezielt zu fördern. Und weil die Akademie jetzt seit zehn Jahren besteht, lud er zusammen mit Geschäftsführerin Barbara Münch in die Aula der Alten PH zur Geburtstagsfeier ein. Dort präsentierten die Kleinen ihre selbst gebastelten Roboter, ihre Schachspiele und Laborexperimente. Die Liste der Redner mit Grußworten war lang. Und doch hatten Dozenten, Geschäftsführer, Vertreter des Lions Clubs und Oberbürgermeister Eckart Würzner eines gemein: Wann immer es um Hochbegabte ging, fiel das Wort Inklusion. Die Gruppe dieser Kinder - etwa zwei bis zehn Prozent eines Jahrgangs laut Böhme - sei zwar recht klein, dürfe aber nicht vergessen werden. "Es ist wichtig, dass wir die Leistungsschwachen fördern, aber eben auch die Hochbegabten." Eine solche Ansicht war jedoch lange Zeit verpönt. "In den 90er Jahren durfte man nicht einmal von hochbegabten Grundschulkindern sprechen", sagt Böhme. "Das war damals ein Tabu." Und auch OB Eckart Würzner, betont: "In der öffentlichen Schulpolitik spielte das bis vor wenigen Jahren keine Rolle." Anfang der 2000er-Jahre habe man in den Gymnasien erste Hochbegabten-Klassen eingerichtet, den Grundschulen dabei aber keinerlei Beachtung geschenkt.

Es war schließlich Böhme, der sich 2006 um ein außerschulisches Projekt bemühte. Ein denkbar schwieriges Unterfangen: Er brachte zwar seine Konzeption 2007 durch den Gemeinderat - und seither steht die Kinderakademie unter Trägerschaft der Stadt -, doch das Kultusministerium sah die Einrichtung als wenig fördernswert an. Gerade einmal 2000 Euro wollte man dafür in die Hand nehmen. Doch die Kinderakademie hatte Glück: Weil der Lions Club zeitgleich in Gesprächen mit der Stadt nach einem neuen Projekt suchte, ging man auf Böhme zu, ließ sich Unterlagen schicken und stieg mit ein. 2009 folgte die Klaus-Tschira-, ein Jahr später die Hector-Stiftung, die inzwischen 60 solcher Einrichtungen in Baden-Württemberg trägt.

Das Aufnahmeprinzip ist simpel: Jedes Jahr empfehlen Grundschullehrer Kinder, die ihnen als besonders begabt auffallen, für einen Aufnahmetest an der Kinderakademie. Können sie bei einem Intelligenztest einen Gesamt-IQ von mindestens 120 erreichen, werden sie aufgenommen und wählen Kurse wie Astronomie, Schach, Mathematik, sie können Sprachen lernen wie Chinesisch und Russisch oder diskutieren mit Philosophen und Naturwissenschaftlern.

Klingt das für Grundschulkinder nicht leicht übertrieben? Maira Koslowskis lacht bei dieser Frage. "Für normale Kinder, ja. Aber ich habe mich im Unterricht so gelangweilt", sagt die heute 16-Jährige. Sie gehörte zum ersten Jahrgang an der Kinderakademie und war mit vier anderen als Überraschungsgast zum Festakt eingeladen. Zusammen mit Marie Käflein saß sie 2007 in einem Astronomie-Kurs, beschäftigte sich mit Sternen und Planeten. "Wir haben es geliebt, zur Sternwarte zu wandern, wollten wissen, wie alt die Welt ist, wie das mit dem Urknall war", erzählt Käflein.

Zumindest Maira geht diesen Weg weiter. "Ich hoffe auf ein Astrophysikstudium in Heidelberg - und ja, ohne die Kinderakademie wäre ich wohl nie auf den Geschmack gekommen." Und auch die acht Jahre jüngere Paulina, die beim Festakt ihren selbst gebastelten Roboter vorstellt, scheint glücklich, bei der Akademie lernen zu können: "Ich bin kein Klugscheißer mehr", sagt die Achtjährige. In ihrem Kurs seien alle Kinder interessiert, da falle sie nicht aus dem Rahmen.