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Kinderakademie Heidelberg

Begabte Kinder lernen hier den Umgang mit Robotern

Begabte Kinder lernen hier den Umgang mit Robotern

von Marion Gottlob

Heidelberg. Wie lässt man einen Roboter im Kreis tanzen? Der acht Jahre alte Silas schaffte das mit seinem m-Bot-Roboter spielerisch, ohne große Anstrengung. Zuerst löste er die normalen Programmier-Aufgaben für sein Gefährt und lenkte dann das kleine Fahrzeug mit einem Trick seiner Hände rundum. Gleichzeitig programmierte neben ihm Tessa (9) ihren Roboter so, dass er auf seiner Tafel den Schriftzug "Lions" aufleuchten ließ. Liliana, Max und Moritz schrieben für ihren Roboter ein Programm, das die Fahrzeuge vor Hindernissen anhalten lässt.

Die Kinder im Alter zwischen acht und neun Jahren gehören zur Robotik-Arbeitsgruppe der Hector-Kinderakademie Heidelberg. Diese wurde 2007 gegründet, um überdurchschnittlich intelligente Kinder zu fördern. Initiativen dieser Art für Jugendliche gab es zuvor schon. Doch mit der Förderung von Grundschulkindern leistete Heidelberg damals in ganz Baden-Württemberg Pionierarbeit.
Der Lions Club Heidelberg unterstützt die Hector-Kinderakademie seit ihrer Gründung. Prof. Michael Schmidt war damals Präsident des Clubs: "Wir haben uns für diese Aufgabe begeistert." Bis heute haben die Lions mindestens 35.000 Euro für die Kinderakademie gespendet, zum Beispiel für eine wissenschaftlich-psychologische Evaluation des Projekts und für Materialien. Jetzt hat der Club erneut rund 4000 Euro für das Robotik-Projekt gespendet. Zum Dank waren einige der Mitglieder des Lions Clubs deshalb auch zu Gast bei der Roboter-Demonstration in der Wilckensschule. Die Geschäftsführerin der Kinderakademie, Barbara Münch, bedankte sich bei ihnen: "Wenn wir um Hilfe bitten, dann ist der Lions Club für uns da", freute sie sich über die Zuwendung.

Der Robotik-Kurs mit Wolfgang Wagner für sechs Kinder umfasste neun Doppelstunden. Die zwei Mädchen und vier Jungen bauten aus einem Bausatz sechs Roboter zusammen. Danach testeten sie, ob die Verbindung zwischen Roboter und iPad funktionierte. Nun lernten die Nachwuchs-Experten, wie sie eigene Programme für ihre Roboter schreiben.

Zwei Beispiele: Der m-Bot sollte eine LED-Lampe rot aufleuchten lassen, sobald er hochgehoben wurde - und eine grüne LED-Lampe sollte aufleuchten, wenn er wieder abgesetzt wurde. Eine andere Aufgabe lautete, dass der Bot mithilfe seiner Sensoren ein Hindernis erkennen, erneut seine rote LED aufleuchten lassen, eine Linksdrehung um 90 Grad vollziehen, einen bestimmten Ton von sich geben - und anschließend dem Hindernis ausweichen soll.

"Wir lernen hier, wie man Roboter steuert", sagte Tessa, "am schwierigsten war die Aufgabe, den Roboter eine Minute lang über eine Wippe hin- und herfahren zu lassen." Dabei sollte die Wippe ständig schaukeln, ohne dass der Roboter die Wippe verlässt. Aber auch das war nicht unproblematisch: Als mitten im Unterricht die Programme der iPads unangekündigt aktualisiert wurden, wurden erst mal automatisch alle Befehle der Kinder gelöscht.

Während die Kinder unter den staunenden Augen der Lions-Besucher ihre Roboter eine Aufgabe nach der anderen erledigen ließen, war es ganz ruhig im Raum. Fast immer leuchtete innerhalb von wenigen Minuten das Wort "win" auf den iPads der Kinder auf, sobald eine Aufgabe gelöst war. Wenn das nicht sofort gelang, machten die Kinder ohne Zeichen von Ungeduld einen zweiten Anlauf. Für Silas war es schon der dritte Kurs an der Akademie: "Man lernt viel, das gefällt mir einfach."

Detlef Böhme hatte die Idee zur Kinder-Akademie, die inzwischen von der Hector-Stiftung und der Klaus-Tschira-Stiftung gefördert wird: "Die Kinder verfügen über besondere intellektuelle Fähigkeiten. Die Grundschüler besprechen und bearbeiten Themen, die für viele Gymnasiasten zu schwierig sind - und trotzdem sind sie Kinder wie alle anderen Kinder auch."

Laut Dozent Wolfgang Wagner vermittelt der Kurs die Basis für ein Interesse an Technik und Informatik und erst recht für die Entwicklung von technischer und digitaler Kreativität. "Das ist unsere Zukunft. Das motiviert uns zu weiteren Spenden", erklärte dazu Prof. Josef Gerstner, Präsident des Lions Clubs. Und sein Vorgänger Michael Schmidt lächelte: "Zum nächsten Weihnachtsfest wird es m-Bot-Roboter und iPads geben für meinen bald acht Jahre alten Enkel - und für mich."